Ueber den Garten zum Rotenchasten, Mittwoch, 04.07.2012
LK 1:25’000: Blatt 1226
Die geplanten Gauli-Tourentage vom 1. bis 4. Juli fielen leider wetterbedingt ins Wasser. Spontan lud Paul die Angemeldeten dafür zu einer Ad hoc-Tour ins Simmental ein.
Mit Paul, Hansruedi, Klaus, Res und Peter waren wir ausnahmsweise eine reine Männerrunde. Als positives Zeichen für den heutigen Tag werteten wir die leuchtende Mondscheibe, die uns während der Hinfahrt über Boltigen nach Reidenbach und Schwarzenmatt begleitete.
Kurz nach sechs Uhr in der Früh stiegen wir von der Chlus auf 1140 m gegen das Rieneschli auf 1566 m. Die breite Palette der taufrischen Alpenflora lenkte ab von den sumpfigen Stellen, die der Regen der vergangenen Tage hinterliess. Der Anblick von zwei kleinen Säugern verleitete Paul zum Zitieren:“ein Wiesel sass auf einem Kiesel inmitten Bachgeriesel“ und ehrte damit Christian Morgenstern. Auf der Höhe des „Rohrbodens“ bewegten wir uns mehr gegen Norden und erreichten um halb neun den höchsten Punkt des „Garten“ auf 2040 m.
Nun ging es ein kurzes Wegstück zum Pkt.1994 hinunter. Von hier aus nahmen wir den weglosen, steilen Aufstieg über Geröll, Fels- und Grasbänder zum Rotenchasten in Angriff. Das lose Material zwang zu Konzentration und kleinen Abständen von Mann zu Mann.
Die letzten 50 m bis zum Gipfel waren steil und ausgesetzt. Unser Tourenleiter stieg vom kleinen Sattel über diese Schlüssel-Passage und sicherte sie mit einem etwas zu kurzen Bergseil. Eine Verlängerung mit der Reepschnur war angesagt. Wir Anderen sassen zwar fest im Geländesattel, im hier gefragten Spierenstich waren wir aber nicht mehr ganz sattelfest. Pauls Nachhilfeunterricht auf Hördistanz beseitigte fast alle Zweifel.
Auf den letzten Höhenmetern erfreuten uns zahllose Blüten des silber-weissen Leontopodium alpinum. Präzis um zehn Uhr standen wir vollzählig auf 2217 m. Bei Windstille genossen wir die Rundsicht auf Schafberg, Kaiseregg, Widdergalm und Bäderhorn.
Nach einer knappen Stunde Gipfelrast stiegen wir über Pkt. 1967 bei „Gasche“ ab, weiter über die Alp Vordere Walop zum Walopsee auf 1613 m. Zwei Drittel unserer Crew konnte dem lächelnden See, unter strahlender Sonne, nicht widerstehen und genehmigte sich ein Bad, gemeinsam mit Fröschen und Molchen und im selben Tenue. Eine ausgewachsene Ringelnatter zeigte sich glücklicherweise erst später.
Nach der erholsamen Mittagsrast am spiegelglatten Wasser nahmen wir den Bergweg gegen die Egg unter die Füsse, um dann unterhalb der Rockschwartenfluh zum Ausgangspunkt Chlus hinunter zu steigen, während über uns ein Adler seine Kreise zog.
Nach rund sechs Stunden Marschzeit erreichten wir um halb drei den Ausgangspunkt Chlus. Erste Regentropfen kündeten das nachfolgende heftige Gewitter an, das wir notgedrungen im Bären Därstetten überstehen mussten. Die abwechslungsreiche Tour im wenig begangenen Gelände war mehr als nur ein Trostpflaster für die entgangenen Gauli-Tage. Danke Paul!
Peter Freiburghaus
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