Ausserberg - Suone Baltschiedertal – Erl - Mund
Samstag, 2. Juli 2012; ↑ 1196m, ↓1203m, ↔12km, ^1993m,
Wer am Samstag, den 2. Juli 2012 um 04:45 noch im Bett liegt, ist selbst schuld. Von den Andern begrüsst Hans Thierstein neun SAC‘ler beim Viehmarktplatz Grosshöchstetten zur bestens geplanten Wanderung im Wallis. Allein schon das Wetter lässt keine Wünsche offen.
Es geht per Privatautos nach Kandersteg, mit dem Zug nach Ausserberg und dann mit dem bestellten und verschlafenen Chauffeur zum Startpunkt der Wanderung.
Die Wanderung beginnt oberhalb Ausserberg auf 1260m und führt zuerst ca. 2.5 km sanft ansteigend, entlang der Suone „Niwärch“ bis „Ze Steinu“ auf 1290m.
Suonen sind historische Wasserungskanäle, die seit dem 12. Jahrhundert zur Bewässerung der landwirtschaftlich genutzten Fläche der trockenen Walliser - Südhänge dienten. Sie führen das Wasser in, aus den Felswänden gehauenen, offenen Gräben. Wo dies so nicht möglich ist, verlaufen die Suonen in Holzkanälen, die zusammen mit einem Laufsteg an den Felsen aufgehängt sind.
Ab „Ze Steinu“ trennen uns nur kurze 670m Luftlinie, und 520m Höhe von unserer Mittagspause beim Örtchen Erl. Dieser Aufstieg mit seinen unzähligen kurzen Serpentienen bewältigen wir in sportlichen 1h 05‘ und wie von Hans geplant, noch ganz im Schatten. Mucksmäuschenstill ist es, kein Wort zerreisst die Stille während des Aufstiegs; die Natur verschlägt uns buchstäblich die Sprache.
Erl oder Eril, ein Walliser-Örtchen wie aus dem Bilderbuch mit einer einmaligen Kulisse, wirkt mit seinen zu Ferienhäusern umgebauten Ställen etwas zu herausgeputzt. Besser gefallen mir da die urtümlichen Schwarznasenschafe, denen wir unterwegs nach Honalpa 1993m begegnen.
Beim Abstieg von Honalpa nach Mund änderte sich der Charakter der Gegend kontinuierlich, von eher wild und steil zu lieblich und von verlassen zu kultiviert. Die Ortschaft Mund selbst, immerhin auf 1200m, nehme ich als ein Mosaik aus historischen sonnengebräunten Ställen, und städtisch wirkenden Bauten und Plätzen mit viel Beton, alimentiert von einer modernen Tourismusindustrie und einer archaischen Safranwirtschaft wahr.
Am Abend unter der Dusche beim Wegspülen von Schweiss und Staub merke ich, dass die Suonen einen andern Zusammenhang zwischen Wasser, Schweiss und Staub aufzeigen.
Robert Meerstetter -> Fotos |